Während die Eltern ihren Exerzitienweg gingen, durften die Kinder basteln und religiöse Impulse erleben.
Familienexerzitien vom 27. - 31.10.2024 in Heiligenbronn
Familienexerzitien sind ein spannendes Unternehmen. Zur Frage, wie sich die Erwachsenen mit unterschiedlichsten Vorerfahrungen auf den Exerzitienweg einlassen, kommt der aufmerksame Blick auf die Kinder hinzu. Sieben Kinder im Alter von 4 Monaten, 3, 4, 6, 7, 8 und 12 Jahren waren diesmal dabei, die von Anna Kammerer (18) und Birgitta Klahs (18) begleitet wurden. Im Vorfeld hatten die beiden sich zahlreiche Bastelideen, aber auch religiöse Impulse überlegt, denn die Kinder erleben wie ihre Eltern in ihrem Zusammensein ebenfalls Inhalte des Exerzitienweges. Fassen die Kinder Vertrauen und gehen gerne in die Kinderbetreuung, schenkt das den Eltern Freiraum für ihren persönlichen Weg.
Die Phase des Kennenlernens spielt deshalb eine große Rolle und wurde lebendig gestaltet, indem jede Familie zum Einstieg mit Kett-Tüchern ihr Lebenshaus ins Bild brachte. So konnten auch schon die Kleinen in der Ankommrunde erzählen, was ihnen in der Familie wichtig ist.
Jeder Tag begann gemeinsam mit einem Warm-up, dem Morgenlob – je nach Wetter drinnen oder draußen. An Allerheiligen, dem Fest, an dem wir feiern, dass Gott unser Leben einst in der Ewigkeit heiligt und vollendet, durchschritten wir zum Beispiel das große Labyrinth im Garten des Bildungshauses zum Taizé-Gesang „Meine Hoffnung und meine Freude“. In der Mitte ankommen, am Ziel des Weges – eine ganzheitliche Erfahrung, die nicht mehr viele Worte brauchte.
Während die Erwachsenen sich Vor- und Nachmittags mit Pfr. Franz Reiser und mir auf die Leibübungen, die Meditationsimpulse, Zeiten der Stille und die Begleitgespräche einließen, trafen sich die Kinder in ihrer Gruppe. Sie sangen, hörten (biblische) Geschichten, bastelten oder spielten miteinander. Unsere großen Kisten mit den Legos und der Holzeisenbahn sowie die Kugelbahn reisten wie immer mit. Auch die Kinder erlebten einen Wahrnehmungsspaziergang, staunten über die Schöpfung und erkundeten natürlich die Spielplätze der Umgebung. Da Herbstferien sind, war der Nachmittag in der Wochenmitte frei. Die Familie unternahm etwas miteinander. Wir gaben einen kleinen Impuls mit (z.B. Naturmandala in der Pizza-Schachtel) und beim Zusammenkommen vor dem Abendessen gab’s einen kleinen Austausch dazu.
Bei den Mahlzeiten ging es lebendig zu. Die Eltern genossen es, sich an einen gedeckten Tisch setzen zu können. Wir waren im Bildungshaus bestens versorgt. Die Mitarbeiter*innen hatten eine Freude an den jungen Gästen, und die Kids fanden schnell heraus, welcher Koch für die handgemachten Spätzle und die Schnitzel mit Pommes verantwortlich ist.
Abends versammelten sich die Kinder zum „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“. Kerzenlicht ist in Bildungshäusern mittlerweile tabu, deshalb hatten sie aus Tischtennisbällen, Weihnachtskugeln und LED-Teelichtern Lämpchen gebastelt, die dem Raum Stimmung gaben. Jedes Kind hatte ein Perlenband bekommen, das half, den
Tag auszuwerten. Die Kugel mit lachendem Gesicht: Was war schön? Wofür möchte ich danken? Die Kugel mit traurigem Gesicht: Was hat mir nicht so gut gefallen? Was möchte ich Gott anvertrauen? Die Kugel mit den vielen verbundenen Menschen und dem Herz: Was ist noch in meinem Herzen? Für wen möchte ich beten? Die goldene „Gottesperle“ im Band erinnert daran, dass Gott mit uns ist und wir den Tag in seine Hände legen dürfen. Eine „Oma schreit der Frieder“-Geschichte sowie das Lied: „Lieber Gott, nun lass uns ruhig schlafen“ rundeten das Abendritual ab. Einzelne Kinder hatten die Idee, auf diese Weise auch daheim den Tag zu beschließen. Lagen dann alle im Bett, endete der Tag für die Erwachsenen mit der Eucharistiefeier.
Zum Abschluss der Tage feierten wir gemeinsam Eucharistie. Die Kinder gestalteten die Mitte und erzählten, was sie erlebt haben.
Auch in diesem Jahr erhielten wir viele dankbare Rückmeldungen. Eltern, die meist zwischen Familie und Beruf
eingespannt sind, schätzen es sehr, Zeit für Stille und Gebet zu haben, ohne ihre Kinder irgendwo abgeben zu müssen. Sie erleben diese Tage als Quality-Time in der Familie. Auch der Austausch der Eltern untereinander bei Tisch ist wertvoll. Diese Weise der Exerzitien ist für mich wie für alle ein Üben, auch im Trubel gesammelt zu bleiben.
Bitte weitersagen: Die Familienexerzitien 2025 finden